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Samstag, 25.11.2017

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Online-Tickets

Zum Vorab-Kauf einer Karte per Internet benutzen sie bitte den obigen Kalender, um ihre Führung auszusuchen. Die Karten können bis zu einer Stunde vor Führungsbeginn bestellt werden.

 

Karten für Schüler und Studenten sind ermässigt.

Führungszeiten

Kasematten und Lochwasserleitung:
Mo - Fr: 15:15 Uhr
Sa: 11:15, 15:15, 16:15 Uhr
So + Feiertage: 11:15, 15:15, 16:15 Uhr

Historischer Kunstbunker:

täglich: 14:30 Uhr
Fr: zusätzlich 17:30 Uhr

Sa: 11:30, 14:30 + 17:30

So: 11:30 + 14:30

 

Ausnahmen: siehe Führungsbeschreibung

Eintrittspreise

Kasematten und Lochwasserleitung:
Erwachsene: 8,00 €, ermäßigt: 7,00 €
Kinder unter 3 Jahre:
in Begleitung eines Elternteils frei

Historischer Kunstbunker:
Erwachsene: 7 €, ermäßigt: 6 €
Kinder unter 7 Jahre:
in Begleitung eines Elternteils frei

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Führungen durch den Atombunker

Viele Nürnberger laufen täglich an ihm vorbei, ohne von seiner Existenz überhaupt zu wissen: Im Verteilergeschoss des Hauptbahnhofs, neben der Rolltreppe, die zur Mittelhalle führt, befindet sich die größte Bunkeranlage der Stadt. Vom 2. bis zum 6. Januar macht der Förderverein Nürnberger Felsengänge den in den 70er Jahren gebauten Trakt der Öffentlichkeit zugänglich.

Die Sonderführungen finden alljährlich zum Gedenken an den Luftangriff vom 2. Januar 1945 statt. Und so werden Franz Wolff vom Vorstand des Fördervereins und seine Kollegen freilich bei dieser Führung auch die Bombardements, die Nürnberg über sich ergehen lassen musste, thematisieren. Damals stand an derselben Stelle im Hauptbahnhof ein Bunker der Reichsbahn, in dem einige Hundert Nürnberger den besagten Großangriff 1945 überlebt haben.

Der frühere Schutzraum musste weichen, als die U-Bahn gebaut wurde. Zwischen 1973 und 1977 entstand dann auf zwei Ebenen Nürnbergs modernster Atombunker. Die Räume des oberen Stockwerks dienen in Friedenszeiten zivilen Zwecken. Hier ist die Bahnhofsmission untergebracht, einen weiteren Raum nutzt zudem die VAG. "Wenn ein Krieg ausgebrochen wäre, hätten die hier rausgemusst", erklärt Wolff. Durch eine unscheinbare Tür neben der Rolltreppe gelangt man zu einer Treppe, die in den unteren, nicht genutzten Bereich des Bunkers führt. Hier können die Besucher bei der rund einstündigen Führung die karg eingerichteten Aufenthaltsräume anschauen, in denen die Schutzsuchenden im Ernstfall Unterschlupf gefunden hätten. 2450 Personen wären dort untergekommen.

Jeder Bunkerbewohner hätte "als Ausrüstung eine Schüssel, einen Löffel, eine Tasse, ein Handtuch und eine Decke" bekommen, klärt Walter Herppich auf. Der 84-Jährige, der derzeit wieder Vorsitzender des Fördervereins ist, muss es wissen: Er war als baulicher Leiter des Katastrophenschutzes (den es seit Anfang 2008 nicht mehr gibt) einst für die Errichtung des Bunkers verantwortlich. Von der Ausstattung her könnte der Schutzraum immer noch genutzt werden. "Wir haben vom Schnuller bis zum Leichensack alles da", sagt Herppich.

Bei den Nahrungsmitteln gibt es allerdings schon lange keinen Nachschub mehr, so dass der Bunker wohl doch eher als Relikt des Kalten Krieges zu gelten hat. Als der Eiserne Vorhang Europa noch teilte, wurden abgelaufene Lebensmittel ausgetauscht. Für die Schutzbedürftigen hätte es indes nur Suppen gegeben. "Dick wäre man hier nicht geworden", sagt Wolff. Allerdings hätten die Vorräte für zwei Wochen gereicht. "In der Zeit wäre aber wohl schon ein Bunkerkoller ausgebrochen", meint Wolff.

Da aber seit 1990 – nach dem Fall des Eisernen Vorhangs – keine Bundesmittel für die Bunker mehr fließen, können sie nur notdürftig instand gehalten werden; die Kommune investiert jährlich lediglich 2000 Euro in die Schutzräume. Die Bürger scheinen sich indes nach wie vor sehr für diese Unterwelt zu interessieren. Zu den Sonderführungen, die der Förderverein seit dem Jahr 2000 in verschiedenen Bunkern veranstaltet, kamen im Rekordjahr 2007 5500 Besucher, 2008 waren es immerhin 3500, sagt der frühere Fördervereinschef Wolff. Er hat den Vorsitz im März nach sieben Jahren an seinen Vorgänger, den Ehrenvorsitzenden Herppich, abgegeben. Herppich erklärte sich bereit, nochmals für ein Jahr auszuhelfen. Im März wird dann ein neuer Chef gewählt.

Mit freundlicher Genehmigung der Nürnberger Zeitung