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Mittwoch, 20.09.2017

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Zum Vorab-Kauf einer Karte per Internet benutzen sie bitte den obigen Kalender, um ihre Führung auszusuchen. Die Karten können bis zu einer Stunde vor Führungsbeginn bestellt werden.

 

Karten für Schüler und Studenten sind ermässigt.

Führungszeiten

Kasematten und Lochwasserleitung:
Mo - Fr: 15:15 Uhr
Sa: 11:15, 15:15, 16:15 Uhr
So + Feiertage: 11:15, 15:15, 16:15 Uhr

Historischer Kunstbunker:

täglich: 14:30 Uhr
Fr: zusätzlich 17:30 Uhr

Sa: 11:30, 14:30 + 17:30

So: 11:30 + 14:30

 

Ausnahmen: siehe Führungsbeschreibung

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Abtauchen in Nürnbergs Unterwelt

Sonderführungen durch Felsenkeller, die im Weltkrieg viele Leben gerettet haben

VON HARTMUT VOIGT

Bis zum Sonntag können sich Interessierte in den unterirdischen Schutzräumen am Burgberg umschauen: Der Förderverein Nürnberger Felsengänge führte gestern bereits 400 Gäste anlässlich des 63. Jahrestags der Zerstörung der Stadt. Die CSU fordert in diesem Zusammenhang, die Leistung der "Trümmerfrauen" mit einem öffentlichen Dank zu würdigen.

"Nürnberg war eine Stadt und ist ein Schutthaufen" - diesen Satz prägte Feuilletonist Alfred Kerr bei einem Besuch 1947. Gut 28 Kubikmeter Schutt pro Einwohner - die höchste Trümmermenge pro Kopf in einer deutschen Großstadt - mussten beseitigt werden. Die Zerstörung war für Kerr zwei Jahre nach dem verheerenden Angriff auf das mittelalterliche Nürnberg immer noch vor Augen.

Unter diesem Trümmerberg befand die Rettung für viele Bürger: Rund 22.000 Quadratmeter Kelleranlagen sollten mindestens 23.000 Menschen Schutz vor dem Tod durch Bomben und Feuer bieten. "In Wirklichkeit suchten viel mehr Leute hier Zuflucht", meint Ralf Arnold vom Förderverein Nürnberger Felsengänge, der eine Gruppe durch die niedrigen, mit Spritzbeton ausgekleideten Gänge des Radbrunnen- und Neutorbunkers führt, "es können durchaus 50.000 Menschen gewesen sein."

Nina Lauenstein hat sich schon drei Seiten Notizen gemacht. Die Zehnjährige und ihre Schwester wollen ganz genau wissen, wie man hier vor über sechs Jahrzehnten gelebt hat. "Ich bin selbst erstaunt, wie interessiert sie bei der Sache sind", sagt Vater Thomas Lauenstein. Zwölf bis 15 Meter unterhalb des Straßenniveaus tasten sich die Teilnehmer in der schummrigen Beleuchtung durch die Gänge, die in den riesigen Burgfels getrieben wurden.

Der Sandstein ist zerlöchert wie ein Schweizer Käse: Teilweise wurden gleich mehrere Etagen von Kellern angelegt, die ursprünglich einmal zur Lagerung von Bier oder auch Gurken gedient hatten. Im Oktober 1940 baute man sie zu bombenfesten Bunkern aus. In der Tiefe waren die Erschütterungen nach Explosionen trotzdem ganz deutlich zu spüren. Bereits im Juni 1941 wurde das Ausbau-Programm jedoch wegen des Angriffs auf die Sowjetunion wieder eingestellt. Erst nach einem Angriff auf Hamburg im Juli 1943, der 40.000 Tote gefordert hatte, nahm man den Luftschutz wieder konsequent auf.

"Meine Eltern überlebten in den hiesigen Felsenkellern, sie haben mir immer davon erzählt", berichtet der gelernte Konditor Werner Kastenhuber, „deshalb nutze ich die Gelegenheit, mir die Anlagen mit eigenen Augen anzuschauen." Er hat in den zurückliegenden Jahren bereits mehrere Führungen durch die verschachtelten, kilometerlangen Stollen mitgemacht: "Es ist eine beklemmende Atmosphäre." Andrea van Treeck aus Wien hat aus der Zeitung von den Sonderführungen erfahren und sich spontan zur Teilnahme entschlossen: "Ich schaue mir überall unterirdische Gänge an, wo sich die Möglichkeit bietet. Ich finde es hier sehr interessant - und zugleich sehr bedrückend."

Michael Barton, führt selbst Gruppen von "subterranea britannica" durcn Anlagen der einstigen DDR. Der ehemalige englische Berufsoffizier hat während des Kalten Kriegs russische Gegner abgehört und versucht heute, seinen Landsleuten ein Gespür für die damalige Zeit zu vermitteln. Wer nimmt an seinen Rundgängen teil? "Wissenschaftler, Fotografen und Bekloppte", meint Barton, der nun die Nürnberger Felsengänge in sein Programm aufnehmen will.