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Samstag, 25.02.2017

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Sa: 11:15, 15:15, 16:15 Uhr
So + Feiertage: 15:15, 16:15 Uhr

Historischer Kunstbunker:

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Fr + Sa: zusätzlich 17:30 Uhr

 

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Schüler flüchteten in alten Tucher-Bierkeller

Bunker unter dem Paniersplatz wird erstmals wieder großer Öffentlichkeit gezeigt - Führungen ab 2. Januar

VON ANDREAS FRANKE

Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs werden die weitläufigen Bunkeranlagen unter dem Paniersplatz wieder einer größeren Öffentlichkeit gezeigt. Der "Förderverein Nürnberger Felsengänge" bietet vom 2. bis 6. Januar 2005 (bei großer Nachfrage sogar bis zum 9. Januar) zwischen 11 und 17 Uhr stündlich Führungen ab Paniersplatz 37 an (Preis: 5 €). Anlass ist der 60. Jahrestag des Bombenangriffs vom 2. Januar 1945.

Franz Wolff öffnet eine schwere Eisentür im Keller der Grundschule Paniersplatz. Dahinter führen 30 ausgetretene Stufen in eine dunkle, feucht-kühle Welt. Ein Labyrinth aus bewehrten Kellern und Gängen, zehn bis zwölf Meter unter massiven Sandsteinsschichten, durchzieht diesen Teil der Altstadt.

Bis zum Einmarsch amerikanischer Truppen in Nürnberg im April 1945 dienten die Bunkerräume Zehntausenden Menschen als Schutz vor alliierten Bomben. Hier überlebten auch viele Nürnberger die Zerstörung ihrer Stadt am Abend des 2. Januar 1945. "Nun, 60 Jahre danach, können wir mit Erlaubnis der Stadt einen Teil des Paniersbunkers erstmals wieder einer größeren Öffentlichkeit zeigen", freut sich Franz Wolff, Vorsitzender des Fördervereins Nürnberger Felsengänge.

Verzweigte Unterwelt

Teile der Stollen im Burgberg existieren seit dem Mittelalter. Sie dienten der Wassergewinnung für die Stadt. Und in dem gleichbleibenden Klima von acht, neun Grad, so erklärt Wolff, lagerten Brauereien auch ihr Bier. Seit zehn Jahren ermöglicht der Verein interessierten Besuchern den Blick in die weitverzweigte Nürnberger Unterwelt. Dazu zählt auch der Kunstbunker in der Oberen Schmiedgasse.

Einer, »der alle Gänge durchschritten hat«, ist Walter Herppich. Der frühere städtische Mitarbeiter und Buchautor ("Das unterirdische Nürnberg") war lange Jahre bis 1980 für die Bunkeranlagen zuständig. Losgelassen hat ihn diese Welt nie mehr, weshalb er 1994 den Verein ins Leben rief.

Erst drei Jahre alt war Franz Wolff, als am 2. Januar 1945 rund 100 Luftminen, 6000 Sprengbomben und eine Million Stabbrandbomben auf Nürnberg fallen. "Es war mit 53 Minuten wohl der kürzeste Angriff auf Nürnberg, aber auch der schwerste", erklärt er beim einstündigen Gang durch die Gänge. Fast 1800 Menschen verloren ihr Leben, 100 000 ihr Zuhause. Die Altstadt war zu 80 Prozent zerstört.

Bunker für den Nazi-OB

Mehrere Räume waren im Zweiten Weltkrieg der Stadtführung unter Nazi-OB Liebel und der Parteiführung vorbehalten. Der Bunker liegt nicht weit vom Rathaus entfernt. Deshalb lag unter dem Paniersplatz auch das Ausweichquartier der Polizei-Rathaus-Wache. Für Hilfsorganisationen, städtische Behörden wie die Schadensstelle und die Befehlsstellen waren ebenso Räume eingerichtet. In die kleine "Kunstbergungsanlage" des Panierskellers, so erzählt Herppich, brachte der damalige Leiter des Hochbauamts, Heinz Schmeißer, am Karfreitag 1945 noch im Rucksack die Reichsinsignien in Sicherheit.

Es gab zudem einen Schülerbunker, einst Lagerstädte der Tucherbrauerei. Dahin flüchteten sich nicht nur die Mädchen und Jungen aus der Paniersschule, sondern auch aus benachbarten Schulhäusern. "Nicht selten mussten die Kinder mehrere Stunden hier unten verbringen. Als Beleuchtung dienten Kerzen. Doch auch die mussten dann gelöscht werden, weil sie Sauerstoff verbrauchen", erklärt Wolff.

Die Route im Bunker für die Führungen vom 2. bis 6. Januar wurde eigens noch einmal vom Bergamt abgenommen. Einzige Auflage: Die Gruppenleiter müssen Taschenlampen mitnehmen, da es nur eine Stromleitung für das Licht gibt. Wolff bemüht sich, Sorgen von Baureferent Wolfgang Baumann zu zerstreuen, es könnte jemand in dem Labyrinth verloren gehen, falls das Licht ausfällt.

Der Vereinschef rechnet damit, dass gerade auch ältere Bürger das Angebot nutzen werden. Sie können noch einmal an einen Schauplatz zurückzukehren, der ihnen zwar das Leben gerettet hat, der aber auch mit schreckliche Stunden der Angst und des Bangens um Angehörige verbunden ist.

Mit freundlicher Genehmigung der Nürnberger Nachrichten